Warum ziehen sich manche Käsesorten – und andere nicht?

Es gibt einen magischen Moment, den wohl jeder, der gerne kocht oder einfach nur isst, mindestens einmal erlebt hat: Man schneidet eine frisch gebackene Pizza an, hebt ein Stück hoch und … die Mozzarellafäden ziehen sich, bilden kleine Brücken des Geschmacks von einem Bissen zum nächsten. Aber hast du dich jemals gefragt, warum einige Käsesorten so „ziehen“ und andere nicht? Warum Mozzarella ja – und Parmigiano nein? Es ist nicht nur eine Frage der Konsistenz oder der Reifung, sondern das Ergebnis biochemischer Prozesse und sehr präziser technologischer Entscheidungen.

Der eigentliche Protagonist dieses Phänomens ist ein Protein: das Kasein. Es ist hauptsächlich verantwortlich für die Struktur des Käses. Wenn die Milch gerinnt, bildet das Kasein ein dreidimensionales Netz, das Fett und Wasser einschließt. Bei Pasta-filata-Käsen wie Mozzarella, Provolone und Scamorza wird dieses Netz durch einen Arbeitsschritt namens „Filatura“ neu geformt: Der Käsebruch wird in heißes Wasser getaucht und so lange gezogen und geknetet, bis lange, flexible Fasern entstehen. Genau diese Verarbeitung – zusammen mit der Zusammensetzung des Käses – ermöglicht das berühmte „Fädenziehen“ beim Erhitzen.

Doch Kasein allein reicht nicht: Auch Feuchtigkeit und Fettgehalt spielen eine Rolle. Frische Käsesorten mit einem Wasseranteil von über 50–55 % haben eine elastischere, weichere Konsistenz, die das Dehnen des Proteinnetzes beim Erhitzen erleichtert. Mozzarella enthält beispielsweise zwischen 58 % und 62 % Wasser. Das ermöglicht ihr, zu schmelzen und sich zu dehnen, ohne sich zu trennen. Zudem sorgt der Fettgehalt – bei hochwertiger Mozzarella etwa 22–24 % – für eine gleichmäßige Wärmeverteilung und verhindert, dass der Käse in Öl und feste Masse zerfällt. Ein sensibles, aber entscheidendes Gleichgewicht.

Auch die Reifung ist ein Schlüsselfaktor. Ein junger Käse bewahrt ein noch „weiches“ Proteinnetz, das sich durch Hitze erneut verformen lässt. Gereifte Käse hingegen haben viel Wasser verloren, und ihre Proteinstruktur ist verhärtet. Parmigiano Reggiano enthält zum Beispiel nur etwa 30 % Wasser und über 32 % feste Proteinmasse. Wird er erhitzt, schmilzt er nicht wie Mozzarella, sondern zerbröselt oder karamellisiert, wobei die beliebten knusprigen Kristalle entstehen, die Gourmets so sehr schätzen. Der Unterschied ist nicht nur chemisch, sondern auch sensorisch.

Und dann ist da noch die Temperatur, oft unterschätzt. Manche Käse ziehen nur innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs. Mozzarella beginnt bei etwa 60–65 °C zu schmelzen und fängt oberhalb von 70 °C an, richtig zu ziehen. Cheddar dagegen wird bei zu hohen Temperaturen leicht ölig und trennt sich. Hartkäse wie Pecorino oder Grana Padano ziehen nicht, weil ihre Proteinstruktur durch lange Reifung „fixiert“ und ihr Wassergehalt sehr niedrig ist.

Nach Angaben von CNR und CREA fällt nur ein kleiner Teil der italienischen Käseproduktion (rund 12 %) in die Kategorie der „fadenbildenden“ Käse. Der Großteil unserer DOP-Produkte gehört zu den gereiften oder halbgereiften Sorten – Spitzenprodukte, die auf Geschmack, Aroma und Struktur setzen, nicht auf die Performance im Ofen. Wer also eine Pizza mit langen, ziehenden Fäden oder einen Panzerotto mit „Wow“-Effekt möchte, sollte zu frischen Käsen mit hohem Wasseranteil und Pasta-filata-Herstellung greifen. Wer hingegen kräftige Aromen und komplexe Strukturen sucht, schaut besser anderswo – etwa zu einer Prise Pecorino, der zwar keine Fäden zieht, aber trotzdem immer überzeugt.

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