Das Lysozym, ein Enzym, das aus dem Hühnereiweiß gewonnen wird, spielt eine entscheidende Rolle bei der Herstellung von Grana Padano, indem es die antimikrobiellen Eigenschaften des Käses verbessert. Lysozym wirkt auf das Peptidoglykan in den Zellwänden der Bakterien, erhöht deren Permeabilität und führt zur Zelllyse sowie zum Absterben schädlicher Bakterien wie Listeria monocytogenes und Salmonella. Die Zugabe von Lysozym im Käseherstellungsprozess hilft wirksam, Verderb und die Entwicklung unangenehmer Aromen durch Bakterien wie Bacillus cereus und Clostridium tyrobutyricum zu verhindern. Besonders wirksam ist es gegen verderbniserregende Clostridien und trägt dazu bei, die Konsistenz und den Geschmack des Käses während der Reifung zu bewahren.
Der enzymatische Wirkmechanismus von Lysozym
Lysozym ist ein antimikrobielles Enzym, das gezielt das Peptidoglykan in bakteriellen Zellwänden angreift – ein Mechanismus, der in der Käseherstellung, insbesondere beim Grana Padano, gezielt genutzt wird. Das Enzym katalysiert die Hydrolyse der (1→4)-β-Bindungen zwischen N-Acetylmuraminsäure (NAM) und N-Acetyl-D-glucosamin (NAG) im Peptidoglykan, dem Hauptbestandteil der Zellwände von grampositiven Bakterien. Dieses Polymer besteht aus langen Polysaccharidketten, die durch kurze Peptide quervernetzt sind und ein netzartiges Gefüge bilden, das der Zellwand Stabilität verleiht.
Durch das Aufbrechen dieser Bindungen schwächt Lysozym die Zellwand, was zu osmotischem Ungleichgewicht und letztlich zur Lyse der Bakterien führt.
Während der Reifung von Hartkäsen wie Grana Padano kann das Vorhandensein von Clostridium tyrobutyricum zu einem Defekt führen, der als „Spätblähung“ bekannt ist: Die Gasbildung dieser Bakterien verursacht ungewollte Löcher und Risse im Käse. Da Grana Padano über zwei Monate und länger reift, ist dieses Risiko besonders relevant. Lysozym, hauptsächlich aus Hühnereiweiß gewonnen, wird gezielt eingesetzt, um diesen Defekt zu verhindern. Indem es das Peptidoglykan der Zellwände von C. tyrobutyricum abbaut, hemmt es das Wachstum dieser Bakterien und verhindert die Gasbildung, wodurch Konsistenz und Qualität des Käses gesichert bleiben.
Regelungen und Vorschriften
Ja, es existieren spezifische Regelungen zur Verwendung von Lysozym bei der Herstellung von Grana Padano. Laut den Vorschriften der geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U./D.O.P.) für Grana Padano ist Lysozym in der Käseproduktion zugelassen – mit Ausnahme der Variante Trentingrana. Der Einsatz ist bis zu einem Maximum von 2,5 g pro 100 kg Milch erlaubt.
Das Enzym wird zugesetzt, um das Wachstum von Clostridium spp. und anderen Mikroorganismen zu verhindern, die Probleme wie Spätblähungen verursachen können. Nach einer umstrittenen Entscheidung des italienischen Gesundheitsministeriums im Jahr 2018 wird Lysozym auf Etiketten nicht mehr als „Konservierungsstoff“, sondern als „technologisches Hilfsmittel“ deklariert – zumindest bei Käsesorten mit einer Reifung von neun Monaten oder länger.
Anwendung und Wirkung im Endprodukt
- Zweck und Funktion: Lysozym wird der Milch zugesetzt, um Spätblähungen zu verhindern, die durch gasbildende Bakterien (insbesondere Clostridium tyrobutyricum) verursacht werden. Es wirkt, indem es Peptidoglykan hydrolysiert und so das Wachstum dieser Mikroorganismen hemmt.
- Dosierung: Laut D.O.P.-Regelwerk darf Lysozym bis zu 2,5 g je 100 kg Milch zugesetzt werden.
Beispiele von Produzenten
- Consorzio Grana Padano: Das Konsortium überwacht die Produktion und erlaubt den Einsatz von Lysozym gemäß D.O.P.-Vorgaben (mit Ausnahme des Trentingrana). Daher verwenden die meisten Produzenten Lysozym routinemäßig.
- Allgemeine Praxis: Da die Vorschriften den Einsatz ausdrücklich zulassen, wird Lysozym von der überwiegenden Mehrheit der Hersteller eingesetzt, um Clostridien-Kontaminationen zu verhindern und die Qualität des Käses sicherzustellen.
Fazit
Lysozym spielt eine zentrale Rolle bei der Herstellung von Grana Padano: Es sorgt für Produktsicherheit, verhindert Defekte wie die Spätblähung und erhält die gewünschte Konsistenz und den typischen Geschmack des Käses.




