Bakteriophagen sind Viren, die Milchsäurebakterien angreifen, welche in der Fermentation von Milch zur Herstellung von Joghurt und Käse verwendet werden. Diese Viren können den Prozess der Ansäuerung von Milch und Bruch erheblich beeinträchtigen – ein grundlegender Schritt für die Herstellung von Qualitätsmilchprodukten.
Was sind Bakteriophagen?
Bakteriophagen, kurz Phagen, sind Viren, die spezifisch Milchsäurebakterien infizieren. Sie dringen in die Wirtszellen ein, vermehren sich und setzen neue Viruspartikel frei, die weitere Zellen befallen können. Dieser Infektionszyklus unterbricht die Fermentation und führt zu einer unzureichenden Ansäuerung der Milch.
Die Folgen sind gravierend:
- Risiko minderwertiger Produkte
- Mangelhafte Säuerung, die die Sicherheit gefährdet
- Vermehrung unerwünschter oder pathogener Mikroorganismen
Eintrittswege von Phagen in den Produktionsprozess
- Rohmilch: Unbehandelte Milch kann eine primäre Quelle für Phagen sein.
- Produktionsumgebung: Nicht ausreichend gereinigte Geräte und Oberflächen können Phagen beherbergen und verbreiten.
- Starterkulturen: Werden Kulturen nicht regelmäßig gewechselt oder sind sie phagensensibel, können sie leicht kontaminiert werden.
Strategien zur Vorbeugung und Bekämpfung
- Strenge Hygiene: Produktionslinien, Geräte und Umgebung müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
- Wärmebehandlung: Erhitzen der Milch kann viele Phagentypen inaktivieren. Hitzestabile Phagen erfordern jedoch die Kombination von Wärme und chemischen Bioziden.
- Rotation von Starterkulturen: Regelmäßiger Wechsel der Kulturen verhindert die Anpassung und Ausbreitung von Phagen.
- Phagenresistente Bakterienstämme: Durch moderne molekularbiologische Verfahren können Kulturen entwickelt werden, die gegenüber verschiedenen Phagen resistent sind – auch wenn sich die Phagen langfristig anpassen können.
- Natürliche Molkenstarter: In der Herstellung von Käsen wie Grana Padano können natürliche Molkenstarter die negativen Effekte einer Phageninfektion abmildern. Innerhalb dieser Mischungen setzen sich spontan resistente Stämme durch und sichern die Fermentation.
Produktdefekte durch Phageninfektionen
- Fehler in Textur und Konsistenz: unzureichende Ansäuerung führt zu Käsen mit ungeeigneter Struktur.
- Abweichende Geschmacksnoten: das Wachstum unerwünschter Bakterien verursacht fremdartige Aromen.
👉 Fazit: Bakteriophagen sind stille, aber ernsthafte Gegner in der Milch- und Käseproduktion. Nur durch ein integriertes System aus Hygiene, Wärmebehandlung, Starterkultur-Rotation und resistenten Bakterienstämmen kann ihre Bedrohung wirksam kontrolliert werden.




